Polizeikugeln treffen Oberkommissare |
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Polizeikugeln treffen Oberkommissare
Obwohl ihre Waffe als sicher gilt, sind zwei Beamte beim Hantieren damit verunglückt - einer starb
Von Justus Randt
Hannover.
Ein Polizist ist tot, einer schwer verletzt. Innerhalb weniger Tage haben sich in der Region Hannover und in der Landeshauptstadt zwei Zwischenfälle mit der als besonders sicher geltenden Dienstpistole der Polizei ereignet. Die Ermittler gehen von Unglücksfällen aus. Wenn sich der Landtag heute mit gewalttätigen Übergriffen auf Einsatzbeamte befasst, untersucht das Landeskriminalamt die Waffen.
Seit die "Heckler & Koch P 2000" vor sieben Jahren als Polizeipistole eingeführt wurde, habe es damit "keine Unfälle" gegeben, sagt Frank Rasche.
Seit dem zweiten, dem tödlichen Fall von Freitagnachmittag hat der Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums solche Fragen schon öfter beantworten müssen - er hat seine Antworten parat:
"Wir haben derzeit in keinem der Fälle Erkenntnisse, dass das was mit der Waffe zu tun hatte. So umfänglich, wie die P 2000 ist kaum je eine andere Waffe getestet worden. Sie erfüllt höchste Maßstäbe."
Am Freitag war ein 56 Jahre alter Oberkommissar in einem Büroraum der Zentralen Polizeidirektion Hannover tot aufgefunden worden, nachdem eine Kollegin einen Schuss gehört hatte. Offenbar habe sich der Schuss beim Reinigen der Waffe gelöst, heißt es. Das Neun-Millimeter-Projektil traf den Beamten in den Oberkörper.
Drei Tage zuvor hatte sich ein 57-jähriger Oberkommissar der Wunstorfer Polizeidienststelle in die Schulter geschossen, als er die halbautomatische Pistole ins Holster stecken wollte. Die Untersuchungen beider Fälle dauern an.
"Die Kollegen sagen alle: Das ist die beste Waffe, die wir je hatten", weiß Bernhard Witthaut. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei kann die Vorzüge aus dem Handgelenk aufzählen:
Die Anpassung an unterschiedlich große Hände lasse sich mit Griffschalen variieren, "normalerweise tragen wir die Waffe so, dass die Patrone im Lauf ist".
Möglichst schnell schießen zu können, das sei ja Sinn der Sache gewesen, als die neue Pistole angeschafft wurde - "nachdem im Jahr 2000 acht Polizisten erschossen worden sind", sagt Witthaut.
Deshalb gebe es auch keinen Entspannhebel zur Sicherung, wer die schussbereite Pistole abfeuern wolle, erklärt Witthaut, müsse nur den Abzugsdruckpunkt überwinden.
Der beträgt nach Herstellerangaben für den in Niedersachsen verwendeten Typ der P 2000 exakt 32,5 Newton.
Alles hängt also an einem Zeigefinger - der zu überwindende Widerstand entspricht der Kraft, die aufzuwenden wäre, um ein 3250 Gramm schweres Gewicht zu heben. Zumindest der Formel nach.
Reine Physik, die Funktionsweise einer Waffe. Aber es geht auch um Psychologie, und das ganz praktisch: "Mit dem Systemischen Einsatztraining sind wir weit führend in Niedersachsen", ist Anja Gläser überzeugt.
Als Sprecherin der Polizeidirektion Hannover, die beide Unglücksfälle untersucht, aber auch als Schießtrainerin weiß sie, wie wichtig Rollenspiele sind, in denen die Einsatzkräfte mit Farbmunition aufeinander schießen.
Bestandteil dieser Handling-Übungen sei es beispielsweise auch, "die Waffe wieder zu holstern" - sie wegzustecken, nachdem sie einmal gezogen wurde, was offenbar nicht immer eine leichte Entscheidung ist, aber nötig sein kann - um beide Hände frei zu haben.
"Das Training mit der Waffe", sagt Anja Gläser, "liegt auch in der Selbstverantwortung.
" Männer und Frauen, die in uniformierten Polizeiabteilungen Dienst tun, müssten mindestens drei Schießübungen pro Jahr absolvieren. "
Ansonsten hat - nach der umfangreichen Einweisung in die Waffe - jeder Sorge zu tragen, sich damit zu beschäftigen."
Witthaut sieht das ähnlich: "Man muss natürlich eingewiesen und in Übung sein. Weil die Waffe keine Sicherung hat, darf der Finger nicht versehentlich an den Abzug gelegt werden, aber das ist Trainingssache."
Was den Abzugsweg der P 2000 betreffe, liege dieser mit 12,5 über dem Minimum von zehn Millimetern, sagt Anja Gläser: "Da waren auch Sensomotoriker mit im Boot", als die Pistole entwickelt wurde.
Der Druckpunkt liege schließlich über den wenigstens 30 Newton, die als nötig erachtet würden, um "eine deutlich spürbare, relativ große Hürde überwinden zu müssen und um unbeabsichtigte Schüsse zu vermeiden."
In der vergangenen Woche hat das tragischerweise zwei Mal nicht funktioniert, warum, weiß noch niemand.
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: WESER-KURIER Seite: 16 Datum: 20.01.2010
__________________ GERMAN-POLICE.DE-TEAM - Super Mod
Im unendlichen Fluss des Lebens stelle ich nur einen einzigen Tropfen dar und bin es nicht wert, weiter beachtet zu werden.
(Zandoteles, griech. Philosoph)
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20.01.2010 18:36 |
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20.01.2010 18:48 |
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An den Aussagen von Herrn Witthaut zeigt sich recht gut, wie treffend Dieter Nuhr formuliert hat, als er sagte: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!"
Schon alleine diese Aussage "Die Kollegen sagen alle: Das ist die beste Waffe, die wir je hatten." wage ich doch mal sehr anzuzweifeln... Mal von diversen anderem -vor allem technischem- Blödsinn ganz abgesehen!
Die Aussage ist doch, dass die Waffe sicher ist und viel mehr die Kollegen -überspitzt formuliert- selbst schuld sind, wenn sie sich selber anschießen.
Kein Wort davon, dass zu einer sicheren Waffe auch noch der sichere Umgang mit eben dieser Waffe gehört.
__________________ Denn die einen stehn im Dunkeln und die andern stehn im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.
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21.01.2010 16:01 |
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SaschaH
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| Zitat: |
| Möglichst schnell schießen zu können, das sei ja Sinn der Sache gewesen, als die neue Pistole angeschafft wurde - "nachdem im Jahr 2000 acht Polizisten erschossen worden sind", sagt Witthaut |
[sarkasmusON]
Ich wusste gar nicht, dass das damals Duelle waren???
[sarkasmusOFF]
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26.01.2010 16:35 |
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